„Los, los, beeil dich endlich!“
„Ich will nur schnell Hallo sagen!“
„Aber doch nur kurz, dauert nicht lange …“
Könnten das manchmal die Gedanken deines Hundes sein?

Nicht immer alles sofort zu bekommen und manchmal erst über Umwege, das gehört zum Leben dazu – sowohl bei Mensch als auch bei Tier. Jedes Lebewesen sollte lernen mit Situationen umgehen zu können, in denen es nicht sofort das bekommt, was es möchte. Damit dein Hund genau das lernen kann, braucht er eine gute Frustrationstoleranz.

 

Was ist überhaupt Frustrationstoleranz?

Frust entsteht durch Ohnmacht und durch das Nichterreichen eines Zieles oder eines Bedürfnisses.
Frustrationstoleranz ist also, wenn dein Hund, auch wenn er gerade ein Bedürfnis nicht befriedigen kann, dennoch ruhig und ausgeglichen bleibt – also Geduld zeigt.

In diesem Zusammenhang spielt auch die Impulskontrolle eine große Rolle. Hier geht es um die Selbstbeherrschung in einer Situation, die nicht so läuft wie erwünscht. Wenn dein Hund seine Impulse kontrollieren kann, dann denkt er erst nach und reagiert nicht kopflos.

 

Warum ist Frustrationstoleranz so wichtig?

Frust zu erleben gehört zum Leben und zum Alltag einfach dazu. Es geht nicht immer alles nach unseren Kopf oder nach dem Kopf unseres Hundes. Da ist der Alltag mit seinen plötzlichen Wendungen. Diesen Frust zu ertragen und auch auszuhalten, muss erlernt werden, damit der Alltag entspannt verlaufen kann.

 

Voraussetzung für Lernen

Lernen bedeutet, dass dein Hund Frustmomente erlebt. Wie das? Lernen geht nicht immer nur gerade bergauf, es gibt Aufs und Abs. Dein Hund macht etwas richtig und bekommt dafür eine Belohnung. Er wird aber beim Lernen auch Fehler machen, das ist ganz normal. Doch wenn ein Fehler gemacht wird, dann bleibt die Belohnung aus und das führt zu Frust.

Versetze dich einmal in die Situation, in der du etwas Neues lernst. Wenn du es schnell kapierst, freust du dich und bist motiviert. Machst du aber einen Fehler, dann ist das natürlich kein Weltuntergang, aber du bist auf jeden Fall ein bisschen frustriert, oder? Vor allem, wenn du dich reingehängt und angestrengt hast.
Entweder du wirst dann angespornt und suchst nach der Lösung, denkst also nach, oder aber du bist so entmutigt, dass du aufgibst. Und genauso geht es deinem Hund beim Lernen und Training.

Je besser die Frustrationstoleranz deines Hundes ist, desto leichter lernt er, kann Nachdenken und bewusst ein Verhalten zeigen.

 

Verminderung von Alltagsproblemen

Schwierigkeiten im Alltag mit unseren Hunden entstehen dich verschiedene Faktoren. Ein Faktor kann mangelnde Frustrationstoleranz sein. Will dein Hund beispielsweise so schnell es geht zu einer Schnüffelstelle oder drängelt fiepend, wenn es zum Gassigehen los geht, dann kann das an fehlender Frustrationstoleranz liegen.
Durch sein Geziehe an der Leine oder sein Gefiepe drückt er seinen Frust aus – er kann in diesem Moment einfach nicht anders.

Umso besser dein Hund mit Frust umgehen kann, desto weniger werden solche kleine Alltagsprobleme auftauchen.

 

Weniger Stress und mehr Ruhe

Mit Frust geht automatisch auch Stress einher. Etwas nicht zu bekommen, das man gerne hätte, ist einfach stressend.
Unsere Hunde werden im Alltag oft eingeschränkt und können nicht das tun, was sie möchten. Und das aus den unterschiedlichsten Gründen. Immer wieder Zurückstecken zu müssen sorgt für Frust und somit auch für Stress.

Umso gestresster dein Hund ist, desto mehr Unruhe ist in seinem Alltag, desto weniger entspannt ist er und desto leichter fährt er bei Kleinigkeiten aus der Haut. Da kann dann jeder noch so keine Reiz zum Auslöser für unerwünschtes Verhalten werden und auch Jagdverhalten, Angst und Aggressionsverhalten werden wahrscheinlicher.

Zum Weiterlesen:
Die vier größten Stressauslöser für unsere Hunde

 

 

Wie du deinem Hund helfen kannst, mehr Frustrationstoleranz zu bekommen.

Frustrationstoleranz ist nichts Festgeschriebenes. Du kannst sie immer weiter trainieren und ausbauen.
Stück für Stück kann dein Hund lernen mit Frust besser umzugehen und immer mehr Nachzudenken anstatt sofort zu reagieren und seinem Unmut kund zu tun.

 

Ruhe als Basis

Ruhe und Entspannung ist das A und O, ja die Grundlage, für einen entspannten Alltag und einen entspannten Hund. Umso ruhiger und ausgeglichener dein Hund ist, desto leichter wird er mit Frust umgehen können. Deswegen lege im Alltag und Training mit deinem Hund einen großen Schwerpunkt auf die innere Ruhe deines Hundes.

Etabliere Ruhezonen in eurem Haus, bringe ihm bei, dass er einfach Zuhause entspannen kann und nicht ständig etwas zu erwarten hat. Etabliere Entspannungssignale wie ein Entspannungswort oder einen Entspannungsduft, die du bei Bedarf einsetzen kannst.

Entschleunige euren Spaziergang. Es geht nicht um Strecke und Power auf dem Spaziergang, sondern um das Erkunden der Umwelt und ausgeglichene Bewegung sowie harmonisches Zusammensein.
Lauft trödelnd durch die Gegend, lasst euch Zeit, genießt die Natur. Baue Ruheinseln und Pausen auf eurer Tour ein, sodass dein Hund auch Draußen lernt sich zu entspannen.
Auch, wenn dein Hund zu Beginn diese Ruhe noch nicht so wirklich annehmen kann, weil er einfach was anderes gewohnt ist, bleibe dran – es lohnt sich 🙂

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Kleine Ziele

Nicht mit großen Zielen kommst du schnell voran, sondern mit kleinen Stück für Stück.
Wir Menschen neigen dazu immer nur an das Endziel zu denken, wie sich unser Hund denn genau verhalten soll. Doch damit dein Hund genau dort hin kommt, braucht er Zeit zum Lernen. Und Lernen braucht seine Zeit, das geht nicht von heute auf morgen.

Setze euch kleine Teilziele, die ihr leicht erreichen könnt und gib deinem Hund damit die Chance auf wirkliches Umlernen.

Zum Weiterlesen:
Wie du dir einen Trainingsplan erstellst.

 

Eindeutige Kommunikation

Wir Menschen kommunizieren anders wie unsere Hunde, wir sind einfach zwei verschiedene Arten.
Wenn wir einander nicht genau verstehen, dann löst das Stress aus und auch Frust. Deswegen mache es deinem Hund leicht und sein in deiner Kommunikation wirklich eindeutig mit ihm. Lasse ihn genau wissen, wann er etwas richtig gut gemacht hat.

Ich nutze im Alltag und Training mit meinen Hunden Markersignale. Sie sind ein so geniales Kommunikationsmittel, immer eindeutig für beide Seiten und präsent.

Zum Weiterlesen:
Warum ein Markersignal?

 

Verpulvere Impulskontrolle nicht unnötig

Ist dir eigentlich bewusst wie viel Impulskontrolle der Alltag von deinem Hund abverlangt? Warten vor dem Futternapf, Warten bevor die Leine abgemacht wird, bevor dein Hund aus dem Auto heraus springen darf, bevor er zu einem Hundekumpel darf, Vögeln nicht hinterher rennen, an lockerer Leine laufen trotz interessanter Schnüffelstelle … Diese Aufzählung könnte ich ewig fortführen.

Jeder dieser kleinen Situationen benötigt etwas von der Impulskontrolle deines Hundes. Und wenn zu viel gebraucht wird, dann ist sie irgendwann leer und dein Hund hat nichts mehr zur Verfügung. Stress und Frust ist wieder vorprogrammiert.

Deswegen überlege dir genau, wann du wo Impulskontrolle von deinem Hund abfragst, damit er für wirklich wichtige Situationen noch Impulskontrolle zur Verfügung hat.

 

arbeitet als Trainerin für Menschen mit Hund in Bayreuth, Creußen und Pegnitz und ist für Seminare in ganz Deutschland und Österreich unterwegs. Sie ist Autorin von mehreren Fachbüchern.
Zudem gibt Sie Ihr Wissen in Ihrer Online-Akademie und auf Ihrem Blog an interessierte Hundehalter weiter.

Mehr zu Sabrina erfährst du hier:
https://vitacanis.net/ueber-mich/

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