Kennst du Hunde, die einfach nichts tun? Die, egal was passiert, alles über sich ergehen lassen und kaum noch eine Reaktion zeigen? Kaum Eigeninitiative? Wenn das der Fall ist, dann könnte dieser Hund an dem Phänomen „erlernte Hilflosigkeit“ leiden.

 

Was ist das überhaupt?
Erlernte Hilflosigkeit ist eine Folge von Kontrollverlust, die ein Hund (aber auch jedes andere Lebewesen) in einer Situation erfahren kann. Egal was er tut, es bringt ihm nichts. Normalerweise würde ein Hund auf eine Situation oder einen Konflikt mit Beschwichtigung, Angst, Aggression oder auch Nervosität reagieren. Doch wenn er gelernt hat, dass er mit keiner Variante weiter kommt, dann bleibt ihm nichts mehr und er fällt in die erlernte Hilflosigkeit.

Leidet ein Hund an der erlernten Hilflosigkeit dann gibt er sich schon fast wie ein Roboter. Von Außen sieht es nach einem sehr „gehorsamen“ Hund aus, doch innerlich fühlt sich dieser Hund einfach nur unwohl. Er hat sich seinem Schicksal ergeben.

 

Dieses Verhalten zeigt sich häufig bei

  • Zwinger- und Kettenhunden
  • Tierheimhunden
  • Laborhunden
  • „traditionell“ (mit Strafreizen) erzogenen Hunden

 

Hunde, die an der erlernten Hilflosigkeit leiden, zeigen oft Verhaltensweisen wie

  • keine Eigeninitiative
  • geringe Stresstoleranz
  • Abschalten beim Training
  • Unaufmerksamkeit
  • Teilnahmslosigkeit
  • Trainingsverweigerung
  • stoisches Ertragen von Handlungen des Menschen

 

Das Experiment
Das Wort „erlernte Hilflosigkeit“ wurde von Martin Seligmann im Jahr 1967 geprägt. Er hat einen Versuch an Hunden durchgeführt mit dem Ziel herauszufinden, wann Menschen unter welchen Voraussetzungen Depressionen entwickeln. Martin Seligmann hat den Versuch an zwei direkt aufeinanderfolgenden Tagen durchgeführt. Dazu hat er die Versuchshunde in drei Gruppen eingeteilt:

  • Gruppe 1: Diese Hunde haben Stromschläge bekommen. Sie haben jedoch die Möglichkeit die Stromschläge abzustellen.
  • Gruppe 2: Diese Hunde haben zur gleichen Zeit wie Gruppe 1 Stromschläge bekommen. Die Möglichkeit zum Abstellen der Stromschläge blieb jedoch aus.
  • Gruppe 3: Diese Hunde bekommen keine Stromschläge und dient als Kontrollgruppe.

 

Am ersten Tag passierte Folgendes:

  • Gruppe 1: Die Hunde erhielten kurze Stromschläge. Der Stromschlag konnte verhindert werden, wenn sie einen kleinen Hebel betätigten. Das lernten die Hunde sehr schnell.
  • Gruppe 2: Diese Hunde haben gleichzeitig mit der ersten Stromschläge bekommen. Sie konnten jedoch keinen Einfluss auf die Stromschläge nehmen, egal was sie versuchten.
  • Gruppe 3: Die Kontrollgruppe erhielt keine Stromschläge.

 

Und am zweiten Tag wurde der Ablauf geändert:
Die Versuche an den Hunden wurden nun in einer Shuttle-Box durchgeführt. Das ist eine Box bestehend aus zwei identischen Abteilen, die durch eine kleine Hürde getrennt ist, die die Hunde mit einem Sprung überwinden konnten.
In einem der beiden Abteile erhält der Hund einen Stromschlag. Springt er über die kleine Hürde, kann er den Stromschlägen entgehen.
Wichtig! Der Stromschlag wurde angekündigt, in dem eine Lampe aufleuchtete.

Und nun das Ergebnis der drei Gruppen:

  • Gruppe 1: Diese Hunde sind sehr schnell auf die Idee gekommen, dass sie den Stromschlägen entgehen konnten, indem sie das Abteil wechselten. Die Vorerfahrung aus Tag 1 hat sie gelehrt, dass sie das durch ein bestimmtes Verhalten schaffen können. Doch sie achteten auf noch mehr. Sie lernten, dass das Aufleuchten der Lampe den Stromschlag ankündigte und konnten ihn so gänzlich vermeiden >> Vermeidungslernen.
  • Gruppe 2: Diese Hunde taten nichts, sie blieben einfach in dem Abteil mit den Stromstößen liegen und ertrugen stoisch die Schmerzen. Sie haben am ersten Tag gelernt, dass sie durch ihr Verhalten keine Veränderung erzielen können. Nur ganz wenige der Hunde versuchten dennoch nach kurzer Zeit diesem Stromschlag zu entkommen. Haben sie es geschafft, waren sie jedoch nicht in der Lage dieses Vorgehen zu wiederholen.
  • Gruppe 3: Diese Hunde haben nun auch einen Stromschlag bekommen. Doch sie lernten genauso wie Gruppe 1 die Stromschläge zu vermeiden und die Ergebnisse fielen identisch aus.

 

Wie du deinem Hund helfen kannst?
Zeigt dein Hund das Verhalten der erlernten Hilflosigkeit, dann braucht es ganz viel Geduld von dir und Zeit. Zeit damit dein Hund wieder lernen kann, dass er über sich Kontrolle hat. Damit ihm das leichter fällt, kannst du ihn ganz bewusst unterstützen.

 

  • Verschaffe deinem Hund kleine Erfolge.
    Was dein Hund vor allem braucht sind Erfolge. Erfolge, die er aus eigenem Antrieb geschafft hat und die ihm Mut geben sich wieder etwas zu trauen. Solche kleinen Erfolge kannst du deinem Hund ganz leicht mit kleinen Spielen verschaffen.
    Biete ihm Kauspielsachen wie einen locker gefüllten Kong an oder einen Schnüffelteppich an. Hier kommt er sehr leicht zum Erfolg, bleibt motiviert und lernt, dass sich dran bleiben lohnt.
    Mache mit deinem Hund einfache Suchspiele mit Futter oder seinem Lieblingsspielzeug. Denke daran, es geht nicht darum die Schwierigkeit der Übung zu steigern, sondern, dass dein Hund viele Erfolge bekommt.

 

  • Reduziere so viel Stress wie nur geht.
    Stress ist der Auslöser eines fast jeden Übels. Umso entspannter dein Hund ist, desto leichter wird er aus sich heraus gehen können. Überprüfe euren Alltag nach Stressauslösern und reduziere sie soweit wie möglich.

Zum Weiterlesen:
Wie viel Stress hat dein Hund?

 

  • Honoriere Verhalten – Buffet Übung 
    Sage deinem Hund IMMER, wenn er etwas gut gemacht hat und wenn es noch so klein ist. Traut er sich ein unbekanntes Objekt anzuschnüffeln oder nur anzuschauen, das ist ein Lob wert. Steckt er seine Nase interessiert eine in Mäuseloch, toll. Lobe ihn für seine Eigeninitiative.
    Am Besten nutzt du dazu ein Markersignal. Das wird deinem Hund Sicherheit geben.

Zum Weiterlesen:
Warum das Markersignal eine magische Wirkung auf deinen Hund hat.

 

  • Der „Du darfst Entscheiden – Spaziergang“
    Lasse deinen Hund heute einmal entscheiden, wo er gerne Spazieren gehen möchte. Will er lieber rechts oder links herum gehen oder einen kleinen Tramelpfad entlang. Gehe ihm nach und übergib deinem Hund das Ruder.
    Vielleicht entdeckt ihr ja einen neuen Lieblingsweg.
    Durch solche Entscheidungen gibst du deinem Hund Selbstvertrauen und den Mut auch mal etwas auszuprobieren.

 

 

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