Dass Berührungen gut tun, ist unter Hundeprofis sicherlich bereits bekannt. Wie man den Berührungen einfach eine noch bessere Qualität verleihen kann, ist quasi die Quintessenz der Tellington TTouch® Methode.

Der zentrale Gedanke der Tellington TTouch® Methode ist dem Körper mehr Bewusstheit zu geben. Das ist die Intention, die große übergreifende Absicht.

Die Arbeit beruht auf 2 Säulen: die eine ist die Körperarbeit. Dabei wird der Körper mit unseren Händen sanft und sinn-voll berührt. Die zweite Säule ist die Bodenarbeit, bei der der Hund langsam durch einen Parcour mit unterschiedlichen Herausforderungen für Körper und Gleichgewicht geführt wird.

In diesem Beitrag beleuchte ich erst mal nur die Körperarbeit.

 

Körperarbeit

Durch diese Berührungen möchten wir erreichen, dass der Empfänger der „TTouches“, wie sie genannt werden, seinen Körper anders oder neu wahrnimmt. Durch die Körperarbeit sind wir in der Lage positiv auf Probleme einzuwirken, wie beispielsweise: Schmerzen und Verspannungen, die durch Schonhaltungen oder Probleme mit dem Bewegungsapparat entstanden sind.

Nicht anders wie beim Menschen ziehen psychisch entgleiste Zustände auch Folgen für das körperliche befinden nach sich und vice versa. Durch die TTouch® Arbeit wird auf alle Ebenen geholfen. Die TTouches dienen dazu, das Tier seines Körpers bewusst zu machen und ihm zu zeigen, dass eine andere Haltung (und ein anderes Verhalten) ebenfalls möglich ist, ja sogar besser sein kann.

Durch neu gewonnenes seelisches, körperliches und emotionales Gleichgewicht erleichtert Tellington TTouch® nicht nur die Erziehung. Auch sportliche Leistungen und das allgemeine Wohlbefinden werden erheblich verbessert.

Das Schöne an dieser Methode ist, dass die Besitzer eingebunden werden. Die einzelnen Elemente, die speziell für das Tier in Frage kommen, werden dem Tierhalter in Tellington Touch Seminaren vermittelt, so dass er sein Tier selber weiter behandeln kann, wann immer es notwendig oder passend ist.

Bei der Person, die die TTouches anwendet, entsteht ein ebenso tiefes Gefühl der Entspannung und des Vertrauens, wie beim dem Tier, das gettoucht wird.

So entwickelt sich zwischen Mensch und Tier eine tiefe Vertrauensbeziehung, die auf ein besseres Verständnis basiert.

Tatsächlich gibt es jedoch viele Hunde, die Berührungen nicht gut ertragen können, sei es, weil sie zu aufgeregt und angespannt sind, sei es, weil sie es nie gelernt haben oder Angst haben aufgrund von schlechten Erfahrungen oder aktuellen Schmerzen. Die Gründe sind vielfach und auch nicht immer genau zu definieren.

Gerade in diesen Fällen ist es so wichtig, dem Hund diese Erfahrung zu bieten. Es kommt für jeden Hund mal der Moment in seinem Leben, in dem er Berührungen nicht mehr ausweichen kann: ein medizinischer Check, physiotherapeutische Behandlungen, Körperpflege, Erste Hilfe Maßnahmen und einiges mehr. Auf diese

Maßnahmen kann Ihr Hund durch Tellington TTouch Sitzungen sanft und stressfrei vorbereit werden.

Wie, wie stark, was und ob der Körper davon etwas annimmt, machen wir vom Hund abhängig. Er soll eine Wahl haben und in kleinen Dosen die Berührungen, die TTouches kennen lernen, und ja genießen können.

Die Vielzahl an „TTouches“, wie man diese Berührungen nennt, haben alle einen bestimmten Namen. Sie variieren dahingehend, dass unterschiedliche Teile und Flächen der Hände benutzt werden. Ebenso viele TTouches gibt es, die an bestimmten Körperteilen der Hunde eingesetzt werden.

Versuchen Sie einfach mal einen Anfang:
Eine schöne Einleitung der Tellington TTouch® Körperarbeit ist das langsame und achtsame Abstreichen des kompletten Körpers. Dabei ist es wichtig, die streichenden Bewegungen immer vollständig aus zu führen. So beziehen wir bei dieser „Exploration“ den ganzen Körper ein: vom Schädel bis zu den Tatzen, von der Nase bis zur Rutenspitze. Dieser TTouch wird „Noahs Marsch“ genannt. Er ist für mich der wichtigste der TTouches und hat enorm viele Vorteile: man braucht keine bestimmte Technik, ihn auszuführen, man lernt den Körper des Hundes oder des Tieres besser kennen, da wirklich der komplette Körper auf diese Art und Weise erkundet wird. Der erstaunlichste Effekt ist, dass sehr bald eine tiefe Entspannung einsetzt. Beim Tier, und beim Menschen.

 

„Entdecke deine Perfektion“
Neugierig? Lassen Sie sich einfach mal durch diese Exploration führen:

Sie nehmen eine bequeme Position ein, am besten auf der gleichen Höhe des Hundes. Ich persönlich bevorzuge es, mich auf eine weiche Decke auf den Boden hin zu setzen. Laden Sie den Hund ein, sich neben Sie hin zu legen. Spüren Sie erst einmal in den eigenen Körper hinein: sitzen Sie bequem, können Sie tief ein und aus atmen? Entspannen Sie Ihren eigenen Körper. Versuchen Sie sich offen und neugierig auf die nächsten Momente einzulassen. Ohne Erwartungen, ohne Absicht und ohne irgendwelche definierte Zwecke. Was Tellington TTouch macht, ist etwas zu geben – großzügig und ohne Erwartung. Linda Tellington-Jones, die Entwicklerin dieser Methode, hat es wunderbar formuliert: Wir laden den Hund ein, die eigene Perfektion neu zu entdecken.

Nun legen Sie eine Hand sanft und ohne Druck auf eine Stelle am Körper, wo der Hund sich gerne berühren lässt. Diese Hand ist ein Gegenpol. Sie vermittelt Stabilität und Geborgenheit und hält Ihren Körper im Gleichgewicht. Häufig findet man eine Stelle unten am Hals oder an der Brust des Hundes. Ihre zweite Hand wird nun den Noah’s Marsch ausführen. Dazu benutzen wir im Idealfall die flache Handinnenseite. Diese legen wir locker und ohne Druck auf, am besten auch vorne am Kopf, zum Beispiel hinter den Ohren. Sie legen Ihre ganze Aufmerksamkeit in die Handinnenfläche, benutzen diese quasi als Sensor, als Fühler, und gleiten ganz langsam von dem Kopf über den Rumpf/Rücken in einer Linie nach hinten bis zur Rute. Sie können nun entweder die Rute ganz sanft mit ausstreichen oder sie beenden die erste Berührung über die Hinterhand, an den Oberschenkeln hinunter bis zu den Tatzen der Hinterbeine. Behalten Sie dabei natürlich die Reaktionen und Körpersignale Ihres Hundes im Auge. Haben Sie dabei weiter ein und ausgeatmet? Fühlte sich das fließend an? Was hat Ihre Hand gespürt?

Geben Sie sich und Ihrem Hund nun einige Atemzüge Pause und schauen Sie, was er macht. Bleibt er liegen? Sind die Augen weich und geöffnet, wie wenn er auf mehr wartet? Oder beschwichtigt er? Möchte er aufstehen? Vielleicht achten Sie dann beim nächsten TTouch darauf, weniger Druck auszuüben, etwas langsamer zu werden. Oder sagen Sie Ihrem Hund etwas Nettes, etwas Beruhigendes. Vielleicht führen Sie nun die weiteren TTouches erst Mal nur an der vorderen Körperseite aus.

Wir haben so viele Möglichkeiten, diese Einführung anders und minimal einwirkend zu gestalten. Geben Sie nicht auf, wenn es am Anfang etwas beunruhigend für Ihren Hund wirkt: machen Sie die TTouches kleiner, oder leichter, mit weniger Fläche und mehr Pausen. Auch wenn Sie beim ersten Mal nur einmal abstreichen und dann aufhören und einfach sitzen bleiben. Geben Sie dem Hund die Zeit zu verstehen, was gerade geschehen ist, was dies für seinen Körper bedeutet. Sie können davon ausgehen, dass diese erste Berührung, diese Achtsamkeit und die Langsamkeit auf Ihren Hund neu gewirkt haben. Achten Sie auf ein Zeichen von ihm, mit dem er Ihnen sagt: vielleicht noch mal? Oder jetzt reicht es fürs Erste. Sie müssen beim ersten Mal den ganzen Körper nicht berühren können. Ihr Hund hat eine Wahl. Achten Sie darauf. Kleine Einwirkungen, viele Pausen.

Jetzt sind Sie dran: Was haben Sie gefühlt? Der Hundekörper hat Ihrem Sensor eine Menge zu sagen: wärmere oder kühlere Partien, weiche oder harte Muskulatur, struppiges oder seidiges Fell, glatte Haare oder Wirbel, trockenes oder fettiges Fell. Hat der Körper gezuckt oder gezittert, hat der Hund sich entfernt als Sie an einer bestimmten Stelle kamen, oder einfach nur mal geschaut? Zeigte er beschwichtigende Signale beim Abstreichen bestimmter Körperteile? Wie fühlten sich die Ohren, das Maul, die Schädelhaut an? Ist der Nacken verspannt, oder eher die Hinterhand. Ist die Rute elastisch und beweglich oder steif und starr? Können Sie die Pfoten berühren oder zieht er sie ständig weg?

Das sind nur einige der Beobachtungen. Diese sollten uns nicht dazu verführen, Diagnosen über irgendwelche Probleme im Körper zu stellen. Aber wir können diese als mentale Notiz abspeichern und schauen, ob sich im Verlauf der Zeit nach mehreren TTouch Sitzungen und Bodenarbeit Trainings die Beobachtungen verändern.

Wiederholen Sie diese Noah’s Marsch TTouches so, dass Sie nach einiger Zeit den ganzen Körper erkundet haben. Beachten Sie die eigene Atmung, und die Atmung des Hundes. Schläft er ein oder döst er? Das ist nicht unüblich; nicht umsonst benutze ich dieses Noahs Marsch in meinen Gruppentrainings gern, um ein wenig Ruhe in die Hundegruppe zu bekommen.

 

9 Elemente des TTouch

Achten Sie beim TTouchen auf folgende Faktoren, wir nennen Sie die 9 Elemente des TTouch:

  • Druckstärke (wenig)
  • Geschwindigkeit (Langsam)
  • Form (Linien, Kreise oder Heber)
  • Position (Ihre und die de Hundes)
  • Atmung (Ihre und die des Hundes)
  • Verbindungen (werden die TTouches verbunden oder separat verabreicht)
  • Achtsame Pausen
  • Intention (offen und neugierig, die eigene individuelle Perfektion anstrebend)
  • Feedback (was erfahren wir nach den TTouches)

 

Was hat es damit auf sich?

Sicherlich fragen Sie sich nun was es auf sich hat mit diesem mystischen kreisenden TTouches. Tatsächlich hat mit denen die Körperarbeit einmal angefangen. Sie sind verfeinerte Berührungen, bei denen die Finger oder die Hand den Körper berührt in 11⁄4 Viertel Kreis. Je nach Fläche und Haltung der Hand bekommen auch diese TTouches ihre spannenden Namen: Wolkenleopard, Waschbär, Tiger, Bär, Muschel, Schimpanse, Lama.

Sie werden so eingesetzt, wie es dem Tier, dem Körperteil im hier und jetzt gut tut.

Weiter gibt es noch die TTouches an bestimmten Körperpartien: Beine, Ohren, Maul, Bauch, Rute, Rücken. Auch diese werden auf eine bestimmte Art und Wiese ausgeführt. Diese einzeln zu beschreiben würde den Rahmen sprengen.

Wenn Ihnen das Ergebnis des Noah’s Marsch Experiments gefallen hat, und Sie mehr über Tellington TTouch lernen möchten, dann kann ich Ihnen die Teilnahme an einem Seminar wärmstens empfehlen. Dort lernen Sie Ihren Hund auf eine Art neu kennen und entdecken Sie, welches Potential in ihm steckt.

 

Im nächsten Beitrag schreibe ich etwas ausführlicher, wie uns die Bodenarbeit helfen kann, dem Tier und uns selber mehr Gleichgewicht, Lockerheit und Präzision in die Bewegungsabläufe zu geben. Ebenfalls behandele ich dann auch die Hilfen, die wir dazu benutzen so wie auch die Körperbänder. Ein spannendes Kapitel, mit großer Wirksamkeit und vielen A-Ha Erlebnissen.

Bis dann wünsche ich viel Vergnügen mit Noah’s marsch.

Katrien Lismont
Tellington TTouch Practitioner 2

 

 


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Katrien Lismont

Katrien Lismont

Katrien Lismont hat Ihre Hundeschule DOGood® in Bretzfeld, bei Heilbronn (B.-W.). Sie ist lizenzierte Tellington TTouch® Practitioner 2, Verhaltenstrainerin nach Sheila Harper, geprüfte CumCane® Trainerin so wie auch zertifizierte BAT Instruktorin. In Ihrer Hundeschule legt sie Wert auf eine entspannte Erziehung zum alltagstauglichen Familienhund und auf eine ausgewogene Beschäftigung. Im Verhaltenstraining liegt ihr Schwerpunkt bei der Reaktivität und Ängstlichkeit. Sie gibt bundesweit und international Seminare zu verschiedenen Themen, u.a. auch zu Tellington TTouch®. Mit ihrem Man und ihren 3 Hunden lebt sie in Bretzfeld.

Mehr Infos zu Katrien Lismont finden Sie unter www.dogood.de.