Es scheiden sich die Geister, wenn es um das Thema Leckerlis im Hundetraining geht. Ja oder nein? Was ist richtig und was ist falsch? Für mich gibt es hier eine eindeutige Antwort: Ja, Leckerlis im Hundetraining haben ihre Berechtigung und warum, das erzähle ich dir in diesem Artikel.

 

Trockenfutter, Wurst- oder Käsestückchen, gekochtes Fleisch oder getrocknete Naturkauartikel. Leckerlis gibt es in den unterschiedlichsten Varianten und sind für mich wahre Allrounder im Training mit meinen Hunden. Das hat verschiedene Gründe:

 

Grund 1
Die Suche nach Nahrung sowie die eigentliche Nahrungsaufnahme sind Grundbedürfnisse von unseren Hunden. Du lässt also deinen Hund sein Grundbedürfnis ausleben, wenn er sich einen Teil seines Futters auf eurem gemeinsamen Spaziergang und beim Training erarbeiten darf.

 

Grund 2
Mit Leckerlis ist es mir möglich unterschiedliche Motivationen und Bedürfnisse meiner Hunde aufzugreifen.

Hunde haben unter anderem das Bedürfnis ihre Nase und ihre Augen einzusetzen. Sie möchten Suchen, etwas Beobachten oder Verfolgen. All das kann ich mit Leckerlis nachstellen.

So kann ich ein Leckerli in hohem Bogen wegschmeißen und mein Hund darf hinterher flitzen.
Oder aber ich streue eine Hand voll Leckerlis auf den Boden und mein Hund darf sie zusammen suchen.

 

Grund 3
Es geht einfach und schnell. Es ist nur ein Griff nötig und schon habe ich die Belohnung für meinen Hund da. Leckerlis brauchen keine bis wenig Vorbereitungszeit und sind gut in einem Leckerlibeutel zu transportieren.

Und dadurch erleichtern sie uns die Zusammenarbeit immer wieder.

 

Grund 4
Deinem Hund Leckerlis und sein Fressen zu geben ist ein sozialer Akt in einer Beziehung zwischen Lebewesen.

Wie heißt es so schön – „Liebe geht durch den Magen“. Ja, so ist es nicht nur bei uns Menschen ;-), sondern auch bei unseren Hunden.

Die Gabe von Leckerlis stärkt nicht nur das Zusammengehörigkeitsgefühl, sondern auch die Beziehung zu dir und deinem Hund. Denn du bist derjenige, der das Grundbedürfnis deines Hundes stillt.

 

 

Das sind für mich selbst, schon genügend Gründe um Leckerlis im Training bei meinen Hunden zu verwenden.
Doch es kommen hier immer wieder Fragen und Unsicherheiten rund um das Thema Leckerligabe auf, die gerne als Argument gegen das Training mit Leckerlis verwendet werden. Deshalb möchte ich hier ein bisschen ausführlicher darauf eingehen:

 

Argument Nr. 1

Mein Hund soll es für mich tun!

Jetzt mal ganz ehrlich. Warum sollte dein Hund von einem Hasen abdrehen, der ihm gerade so ein Hochgefühl verschafft oder seinen Hundekumpel, mit dem er gerade über die Wiese tobt, links liegen lassen, und zu dir gerannt kommen?
Weil du ihm ein Dach über den Kopf gibst? Weil er dir dankbar sein soll oder aus Pflichtbewusstsein?

Nein, so funktioniert das nicht. Nicht einmal bei uns Menschen würde das dauerhaft klappen. Selbst wir möchten auf ein Verhalten, ein Feedback haben und das am liebsten positiv. Sonst werden wir es irgendwann sein lassen.

Ein Hund zeigt ein Verhalten nur aus zwei Gründen: Entweder er darf auf sein Verhalten hin etwas Tolles erwarten oder aber er umgeht damit etwas Unangenehmen – also entweder folgt eine Belohnung oder eine Bestrafung.

Also noch einmal, warum sollte sich dein Hund vom Hasen abrufen oder seinen Hundekumpel links liegen lassen?
Ja genau, er soll sich für dich entscheiden, weil er weiß, dass es sich für ihn lohnen wird.
Und das heißt, dass er auf die Reaktion auf dich etwas Gutes zu erwarten hat. Sei es Futter oder ein tolles Spiel oder aber sonst etwas, das ihm ein Glücksgefühl beschert.

Dein Hund reagiert auf dich, weil es sich für ihn lohnt!

 

Kleine Anmerkung:
Entscheidest du dich nicht für Belohnung, sondern für die Bestrafung, und dein Hund reagiert auf deine Signale, dann, ja dann, reagiert er auf dich aus Angst. Er reagiert, weil er dem Unangenehmen entgehen möchte!

 

Argument Nr. 2

Dann besteche ich meinen Hund nur und werde zum Futterautomat!

Dieses Argument wird ebenfalls sehr oft aufgeführt. Doch hier ist es nötig einmal genau hinzuschauen.
Ja, es stimmt. Wenn du deinen Hund über Bestechung trainierst, dann wird er nur reagieren, wenn du Futter vor seine Nase hältst. Und ich möchte dir jetzt erklären warum.

Bestechung bedeutet, dass du deinem Hund das Futter zeigst und erst dann ein Verhalten einforderst.
Du signalisierst deinem Hund also: „Guck ich habe hier was Tolles. Willst du das haben? Ja? Gut. Dann komm jetzt mal schnell zu mir und dann bekommst du das.“ Genau das wäre Bestechung.

Belohnung hingegen funktioniert anders. Hier verlangst du erst ein Verhalten und danach zauberst du die Belohnung für deinen Hund heraus. Dann sieht es in etwas so aus: „Bello, komm her. Ja, das hast du gut gemacht. Dafür belohne ich dich jetzt.“

Bestechung = erst Futter, dann Verhalten 

Belohnung = erst Verhalten, dann Futter

 

Das ist also der kleine, aber feine Unterschied zwischen Belohnung und Bestechung. Belohnst du, brauchst du keine Angst davor zu haben, zu einem Futterautomaten zu mutieren oder, dass dein Hund nur noch etwas tut, weil er das Futter sieht.
Nein, er reagiert auf dich, weil er weiß eine Zusammenarbeit lohnt sich.

 

Argument Nr. 3

Ich will nicht mein Leben lang mit Wurst und Käse herumrennen!

Wir haben ein Stück weiter oben bereits festgestellt, dass dein Hund ein Verhalten zeigt, weil du ihn entweder dafür belohnst oder bestrafst, es muss sich zwingend für deinen Hund lohnen. Trainierst du ein neues Verhalten mit deinem Hund ein, bringst du ihm bei, dass sich dieses für ihn lohnen wird. Lohnt es sich also irgendwann nicht mehr, warum sollte er es also weiterhin zeigen?

Fakt ist, du musst deinen Hund sein ganzes Leben lang für sein Verhalten belohnen, wenn du es aufrecht erhalten möchtest, sonst wird es immer weniger werden.

Das gleiche gilt im Übrigen auch, wenn du deinen Hund bestrafst. Es hat also nichts mit der Belohnung an sich zu tun, sondern nur mit der Konsequenz, die auf ein Verhalten hin folgt.

Was aber für dich wichtig ist zu wissen, du muss nicht auf immer und ewig mit der guten Fleischwurst herumrennen 🙂
Wichtig ist nur deinen Hund zu belohnen. Du hast die Wahl zwischen Futter, Spielzeug, Sozial- und Alltagsbelohnungen.
Sei hier kreativ.

 

Lies hier weiter, wie du kreativ belohnen kannst: Belohnung im Hundetraining

 

Argument Nr. 4

Stimme und Streicheln reichen komplett als Belohnung aus!

Bist du dir da wirklich sicher? Reicht es wirklich aus, dass du deinen Hund streichelst, wenn er sich von einem rennenden Hasen abrufen lässt? Oder aber an seinem Erzfeind ruhig vorbeigeht? Ich wäre mir da nicht so sicher.

Stimmlob und Streicheleinheiten sind toll, ich nutze sie auch, doch wenn ich das Verhalten meines Hundes richtig honorieren möchte, dann stehen diese beiden Dinge nicht wirklich hoch im Kurs bei meinen Hunden.

Wenn mein Hund einen Hasen hinterher rennt, dann hat er eine bestimmte Motivation. Er möchte Jagen, Hetzen, Beute machen. Lobe ich ihn dann auf das Zurückkommen lediglich mit der Stimme, dann hole ich meinen Hund absolut nicht dort ab, wo er gerade steht. Ich treffe nicht seine Motivation. Besser wäre hier ein tolles Hetzspiel als Belohnung oder ein großes Stück Futter, das in die andere Richtung fliegt.

Denke immer daran:

Eine Belohnung befriedigt ein aktuelle Bedürfnis deines Hundes, sonst ist es keine Belohnung.

 

 

Und jetzt wünsche ich dir ganz viel Spaß mit einer kunterbunten Kiste an Leckerlis 😉

 

Onlinekurs 'Die Belohnungslostrommel'
Möchtest du lernen wie du deinen Hund nicht nur mit Leckerlis belohnen kannst? Dann sieh dir meinen Onlinekurs „Die Belohnungslostrommel“ an.

 


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Sabrina Neubauer-Reichel

arbeitet als Trainerin für Menschen mit Hund in Bayreuth, Creußen und Pegnitz und ist für Seminare in ganz Deutschland und Österreich unterwegs.
Sie ist Autorin von mehreren Fachbüchern.
Zudem gibt Sie Ihr Wissen in Ihrer Online-Akademie und auf Ihrem Blog an interessierte Hundehalter weiter.

Mehr zu Sabrina erfährst du hier:
http://vitacanis.net/ueber-mich/

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